Bahnsprech

4. Februar 2009

Wahrscheinlich kann Herr Mehdorn das Wort “Entschuldigung” gar nicht sagen oder in Briefen an die Belegschaft verwenden. Ich habe langsam das Gefühl, daß es bei der Bahn eine lange Liste mit Sprachregelungen und Floskeln für alle möglichen Situationen gibt. Ansonsten würde keiner auf die Idee kommen, eine Durchsage wie folgt zu machen:

Regionalbahn XXXX aus Halle zur Weiterfahrt nach Magdeburg, Abfahrtszeit 15.12 Uhr auf Gleis 5 verspätet sich in seiner Ankunftszeit voraussichtlich um 10 Minuten.

So einen Satz kann man sich nicht einfallen lassen:

  1. “Regionalbahn” und “seiner” – grober Grammatikverstoß
  2. “Regionalbahn” hat das Recht auf einen Artikel.
  3. “verspätet sich in seiner Ankunftszeit” – was bitte ist das?

Die einfache korrekte Variante wäre zu einfach, deshalb ist wahrscheinlich auch ein “Entchuldigung” nicht drin, sondern ein möglicherweise entstandener Eindruck muss ausdrücklich bedauert werden.


Ziehen Sie erst eine Nummer

28. Januar 2009

Nach dem Umbau des Magdeburger Reisezentrums im Hauptbahnhof hat man dort ein schwachsinniges neues Feature: Um eine Fahrkarte zu kaufen, muß man eine Nummer ziehen, sich in die Wartenden einreihen und wird dann aufgerufen. Da das Konzept irgendwie so blöd neu ist, steht einmal ein Riesenschild da, um die Leute darauf hinzuweisen und meist steht auch noch ein freundlicher Bahnmitarbeiter, der jeden, der dieses Schild übersieht, noch einmal darauf hinweist.

Heute morgen war das Reisezentrum vollkommen leer, als ein Pärchen ankam, um sich eine Fahrkarte zu kaufen. Zielstrebig gingen die beiden an den Schalter, wurden aber sofort von der netten Mitarbeiterin zurückgewiesen: “Ziehen Sie erst eine Nummer am Automaten, dann können Sie sich anstellen.” (Anstellen – wie gesagt, es war vollkommen leer.) Die beiden Kunden taten, wie ihnen geheißen, zogen eine Nummer und gingen wieder zum Schalter. Aber bedient werden konnten sie nicht. “Schauen Sie auf die Anzeigetafel, da steht dann, an welchem Schalter Sie bedient werden.” Natürlich war es ein anderer Schalter und die beiden gingen schon sichtlich mißlaunig zur Kollegin.

Ich habe das Ganze vom Automaten aus beobachtet und mich hinterher gefragt, ob die beiden in der Zeit, in der sie zweimal zwischen Schalter und Nummernziehdingsbums hin und her gelaufen sind, nicht auch schon längst ihre Fahrkarte gekauft hätten. Aber deutsche Gründlichkeit geht eben vor.


Noch viel lernen …

22. Januar 2009

Die Inauguration von Nr. 44 :-) zog ja auch weltweit einiges an Presseaufsehen nach sich. Wenn ich mir die Photos ansehe, die einige der Photographen da geschossen haben (siehe z.B. hier) werde ich schon neidisch und würde gerne davon lernen. Nur leider schreiben die ja nichts zu den Parametern dazu :-(


110 Mio Euro …

20. Januar 2009

… umgerechnet kostet(e) die Amtseinführung von Barack Obama. Ich frage mal nicht, wieviel von dem Geld für Klimaschutz, Entwicklungshilfe usw. hätte getan werden können. ich bin mir darüber im Klaren, daß man sowas feiern muß und daß man da auch einiges auffahren muß, aber 110 Mio Euro????


Winter

7. Januar 2009

Was haben wir nor vor einigen Jahren gemacht, als es noch keine Spezialsendungen zur “Eiseskälte” in Deutschland gab? Haben wir da nicht erfahren, wie kalt es draußen war? Können wir uns deswegen nicht daran erinnern?


Renaissance der alten Tugenden

23. Dezember 2008

Wir haben uns dieses Jahr entschieden, daß wir mal wieder die altmodische Weihnachtskarte aufleben lassen und haben demzufolge vorgestern Abend eine ganze Reihe davon geschrieben. Als wir sie zum Briefkasten brachten, ist mir aufgefallen, daß dieses Jahr wahrscheinlich viele so gedacht haben. Der Briefkasten war so voll, daß ich unsere kaum noch hineinbekommen habe.

Interessant waren aber erst die Reaktionen auf die Karten. Viele haben schnell noch eine EMail aus Pflichtbewußtsein geschrieben, eine Freundin meinte sogar, die Weihnachtskarte sei “eine schöne Idee”. Ähm, sind die schon so aus der Mode gekommen, daß man sie als “schöne Idee” bezeichnet.


Weihnachtsmarkt

13. Dezember 2008

Woran merkt man, daß man auf dem Weihnachtsmarkt ist?

  1. Man bekommt ständig auf die Füße getreten, Ellenbogen in den Magen und Senfwürstchen an die Jacke.
  2. Die Geschwindigkeit, mit der man vorankommt ist so gering, daß man denkt, man läuft rückwärts.
  3. Es richt an jeder Ecke anders – Glühwein, Süßes, Bratwurst, …
  4. Man versteht nicht, was die, mit denen man da ist, sagen.
  5. Man sieht nix, weil es an jeder Ecke anders blinkt.

Ja, ich liebe Weihnachten.


Ich fühle mich wie ein Kleinkind

12. Dezember 2008

Soeben habe ich im Briefkasten einen achtseitigen Brief unserer Wohnungsverwaltung gefunden. Auf diesen acht Seiten wird kleinlich aufgeführt, wie man sich im Wohnumfeld zu verhalten hat. 50 Prozent mindestens davon betrifft allgemeine Umgangsformen und  vollkommen selbstverständliche Geschichten (keine großen Reparaturen von Kraftfahrzeugen vor dem Haus, Türen abschließen, wenn man längere Zeit weg ist, usw.)  Ich komme mir vor, als ob hier nur Kleinlinder in der Umgegend wohnen.


Klassenfahrt

12. Dezember 2008

Gestern war in Magdeburg eine Demo von ver.di (nehme ich mal an), denn mein üblicher Zug von Köthen nach Magdeburg war vollgestopft mit Lehrern, die mit Trillerpfeiffen und Transparenten “demonstrieren” fuhren. ich kam mir allerdings vor, als wäre das eine Klassenfahrt von unreifen Jugendlichen. Liebe Lehrer, denkt doch mal nach, was das für einen Eindruck macht, wenn Ihr in der Öffentlichkeit auf einem Bahnhof

  • die Wege versperrt und in einer großen Horde gröhlend Witze erzählt,
  • Euch auf dem Bahnhof erst mal Mut antrinken müsst – das dürfen Eure Schüler wahrscheinlich auch nicht
  • Im Zug als eine große Alkoholwolke einsteigt und dann sämtliche Plätze besetzt, keinen mehr durchlasst und lauthals über Eure Direktoren lästert

Also ich wundere mich nicht mehr, wenn Beschwerden über Jugendliche kommen, sie bekommen es ja vorgemacht.


Und wieder die Bahn

2. Dezember 2008

Ich sollte mehr Bahn fahren, dann hab ich auch Content für das Blog :-)

Heute morgen wie immer 5 Minuten vor Abfahrt des Zuges am Hauptbahnhof. Mein Lieblingsautomat war mit einer Schlange “zugewartet” und der andere wurde gerade von zwei Mitarbeitern auseinandergenommen. Eine freundliche Mitarbeiterin sah wohl meinen Anflug vom “mich aufregen wollen” und wies mir den Weg zum Schalter (der aufgrund der Bauarbeiten am Bahnhof in einer Würstchenbude untergebracht ist).

ich: Danke, ich möchte aber extra zum Automaten, da ich die Servicegebühr umgehen möchte

sie: Wenn Sie eine normale Fahrkarte kaufen, dann müssen Sie doch keine Servicegebühr bezahlen.

ich: Ich möchte aber ein Hopper-Ticket und da ist eine Servicegebühr fällig.

sie: Dann nehmen Sie doch den Automaten dort unten an der Treppe.

ich: Ich habe kein Kleingeld und der Automat dort unten funktioniert nicht mit Karte.

sie: Ja dann bleibt Ihnen wohl nichts anderes übrig, als die Sevicegebühr zu bezahlen.

Arrrgghhh, ich war kurz davor … Dieses nette Unternehmen setzt alles daran, die Kunden von den Schaltern weg an die Automaten zhu bringen, dann sllen sie bitteschön auch

  1. die Menüführung so gestalten, daß man damit auch klar kommt (mit man meine ich jetzt jeden), so daß sich keine Schlangen bilden, nur weil eine technisch nicht so versierte Person 15 Minuten braucht, um sich eine Fahrkarte zu kaufen.
  2. genügend Automaten für alle gängigen Zahlungsmittel aufstellen, so daß der Ausfall oder die Wartung eines der Geräte nicht so ins Gewicht fällt.